Niedriges KGV: Ist eine Aktie deshalb günstig?

Ein niedriges KGV ist noch kein Schnäppchen. Gewinnbasis, Prognosen, Konjunktur und Schulden helfen zu prüfen, was hinter einem scheinbar günstigen Aktienkurs steckt.

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Die Fassade der New Yorker Börse mit amerikanischen Flaggen und einem Banner von Keysight Technologies.
Die New Yorker Börse an der Broad Street, fotografiert am 3. November 2014. Archivfoto der Außenansicht mit zeitgenössischer Beschilderung. AviaWiki, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Bildquellen und Lizenzen

Zwei Aktien können zum gleichen Kurs gehandelt werden und dennoch sehr unterschiedliche Bewertungen aufweisen. Das KGV gibt diesem Kurs einen Nenner: den Gewinn pro Aktie. Es ist ein nützliches Vergleichsinstrument, aber die Aussagekraft ändert sich, wenn Gewinne nur vorübergehend sind, Schätzungen optimistisch ausfallen oder Unternehmen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt sind.

Berechnen Sie das KGV mit übereinstimmenden Eingangsdaten.

Das KGV entspricht dem Aktienkurs dividiert durch den Gewinn je Aktie. Eine hypothetische Aktie bei 60 $ mit einem Jahresgewinn von 3 $ je Aktie wird mit dem 20-Fachen des Gewinns gehandelt. Sinkt der Gewinn auf 2 $ bei unverändertem Aktienkurs, steigt das KGV auf 30. Das Unternehmen ist dadurch nicht plötzlich teurer geworden; lediglich der Nenner (Gewinn) ist kleiner geworden.

Verwenden Sie übereinstimmende Perioden und Definitionen. Das KGV der letzten zwölf Monate basiert in der Regel auf vergangenen Gewinnen, während das KGV der letzten zwölf Monate auf Schätzungen beruht. Ein bereinigter Gewinn kann Posten ausschließen, die im ausgewiesenen Gewinn enthalten sind. Der Vergleich eines optimistischen, bereinigten Gewinns eines Unternehmens mit dem ausgewiesenen Gewinn eines anderen Unternehmens ist nicht aussagekräftig, selbst wenn in beiden Fällen ein KGV angezeigt wird.

Vorsicht vor Gewinnspitzen

Manche Unternehmen erzielen außergewöhnlich hohe Gewinne, wenn sich Rohstoffpreise, Nachfrage oder Kapazitätsauslastung günstig entwickeln. Teilt man den Aktienkurs durch diesen Spitzengewinn, ergibt sich ein sehr niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Sinkt der Gewinn später wieder, kann das vermeintliche Schnäppchen verschwinden, ohne dass der Aktienkurs steigt.

Machen Sie einen einfachen Stresstest: Eine Aktie mit einem Kurs von 50 US-Dollar und einem Gewinn von 10 US-Dollar pro Aktie hat ein KGV von 5. Bei einem üblichen Gewinnniveau von 2,50 US-Dollar entspräche der gleiche Kurs dem 20-Fachen. Das übliche Gewinnniveau muss recherchiert und nicht geschätzt werden. Das Beispiel zeigt jedoch, warum ein niedriges KGV eher ein Warnsignal für die Gewinnstabilität als ein Glücksfall sein kann.

Ein hohes KGV basiert auf anspruchsvollen Annahmen.

Ein hohes KGV kann Erwartungen an Wachstum, anhaltende Rentabilität oder ein geringeres wahrgenommenes Risiko widerspiegeln. Diese Erwartungen mögen sich als berechtigt erweisen, doch die Bezahlung dieser Erwartungen verringert das Risiko von Enttäuschungen. Selbst ein Unternehmen mit starkem Wachstum kann einen Kursverfall erleben, wenn das Ergebnis nicht den im Kurs implizierten Erwartungen entspricht.

Wachstum allein genügt nicht. Fragen Sie sich, wie hoch die Investitionen sind, die dieses Wachstum stützen, und ob die bestehenden Aktionäre pro Aktie profitieren. Akquisitionen, Kapitalerhöhungen und hohe Reinvestitionen können das Bild verändern. Das KGV sagt zudem wenig über die Verschuldung der Aktionäre aus, daher sollte das Bilanzrisiko neben dem Gewinnvergleich betrachtet werden.

Erkennen Sie, wann die Kennzahl an Aussagekraft verliert.

Bei negativen Gewinnen ist das herkömmliche KGV in der Regel nicht aussagekräftig. Ein negativer Wert sollte nicht unter positiven Multiplikatoren eingestuft werden, als wäre es die günstigste Aktie. Ebenso kann ein einmaliger Buchgewinn den Nenner zu einem unbrauchbaren Indikator für die zukünftige Geschäftsentwicklung machen.

Für einen praktischen Vergleich sollten Sie den Aktienkurs, den Berichtszeitraum, die ausgewiesene oder bereinigte Basis, die Aktienanzahl und den Hauptgrund für die Gewinnveränderung berücksichtigen. Prüfen Sie anschließend den Cashflow und die Verschuldung. Das KGV ist keine Garantie dafür, wie viele Jahre sich die Investition amortisiert: Aktionäre erhalten nicht automatisch jeden Euro Gewinn, und zukünftige Gewinne sind ungewiss. Nutzen Sie das KGV, um weitere Fragen zu strukturieren, nicht um die notwendige Recherche zu ersetzen.

Für meine Analyse eines Unternehmens ist ein niedriges KGV ein Anlass für weitere Untersuchungen, nicht deren Abschluss. Ich möchte wissen, welche Faktoren positiv sein müssen, damit der heutige Gewinn weiterhin eine sinnvolle Bezugsgröße darstellt.

Bevor eine Aktie als günstig gilt

Prüfen Sie die Gewinndefinition, den Konjunkturzyklus und die Bilanz, bevor Sie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als günstig oder teuer einstufen.

Ist ein negatives KGV günstiger als ein positives?

Nein. Es deutet in der Regel auf negative Gewinne hin und ist kein übliches Schnäppchen-Multiple. Untersuchen Sie Verluste und den Weg zu nachhaltigem Cashflow.

Quellen

Quellen geprüft ·

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